Futterkonservierung verstehen

Silage entsteht, wenn Milchsäurebakterien im luftdichten Silo den Zucker des Futters zu Milchsäure vergären. Der pH-Wert sinkt, und das Futter wird haltbar. Ob das gelingt, entscheidet sich zu einem grossen Teil schon auf dem Feld. Diese Seite erklärt, was im Silage-Simulator passiert und warum.

Wichtig: Das Spiel rechnet mit einem vereinfachten Lehrmodell. Es zeigt Zusammenhänge und Grössenordnungen, ist aber keine Prognose für einen Betrieb.

Warum anwelken?

Frisches Gras besteht zu über 80 % aus Wasser, also zu weniger als 20 % aus Trockensubstanz (TS). Zu nasses Futter siliert schlecht: Der Zucker ist verdünnt, es fliesst Sickersaft ab, und Buttersäurebakterien (Clostridien) haben leichtes Spiel. Zu trockenes Futter lässt sich dagegen schlecht verdichten. Dann bleibt Luft im Silo, es erwärmt sich und schimmelt.

Die LfL Bayern nennt für Grassilage meist 30 bis 40 % TM als Optimum. Wie gut sich Futter silieren lässt, beschreibt der Vergärbarkeitskoeffizient FK: Er verbindet TS, Zucker und Pufferkapazität. Ein FK über 45 gilt als gut silierbar. Klee hat viel Pufferkapazität und wenig Zucker, braucht deshalb mehr TS als Gras.

Schnell trocknen: erst breit ablegen, dann aufbereiten

Das Anwelken läuft in zwei Phasen:

  1. Erste Phase (rund eine Stunde): Die Pflanze verdunstet Wasser über die Spaltöffnungen (Stomata). Sie schliessen sich nach dem Schnitt aber schnell. Der Aufbereiter hält sie nicht offen.
  2. Zweite Phase: Das Wasser muss durch die Wachsschicht (Kutikula) und aus den Stängeln nach aussen. Hier hilft der Aufbereiter, weil er die Wachsschicht verletzt.

Wichtiger als der Aufbereiter ist die Ablage. In Versuchen der Universität Wisconsin erreichte Luzerne in Breitablage auf mehr als 70 % der Fläche nach rund 8 bis 10 Stunden etwa 65 % Feuchte, also rund 35 % TS. In einer schmalen Schwade war das Futter erst am Folgetag so weit. Die Beratung empfiehlt, das Futter auf 80 bis 100 % der Schnittbreite abzulegen. Die Versuche stammen aus den USA und von Luzerne, die Zeiten lassen sich nicht eins zu eins auf Gras in der Schweiz übertragen.

In Deutschland gilt die «24-Stunden-Silage» mit rund 35 % TS als Ziel. Ältere Untersuchungen in der Zeitschrift Agrartechnik sehen den Effekt von Rotoraufbereitern bis etwa 60 % TS am grössten.

Im Spiel: Breitablage und ein früher Zettdurchgang bringen das Futter am gleichen Tag in den Zielbereich. Eine dichte Mähschwade ohne Zetten braucht bis zum nächsten Tag.

Zucker schonen: Atmung, Tau und Regen

Gemähte Pflanzen leben noch eine Weile weiter und veratmen dabei Zucker, bis sie etwa 60 % TS erreichen. Je wärmer es ist und je länger das Futter liegt, desto mehr Zucker geht verloren. Ziel ist eine kurze Feldliegezeit, am besten unter 24 Stunden. Der Zucker fehlt später den Milchsäurebakterien.

Nachts nimmt das Futter Tau auf. Am Morgen muss dieses Wasser zuerst verdunsten, bevor die Pflanze selbst weiter trocknet. Regen macht den Trocknungsfortschritt zunichte und wäscht zusätzlich Zucker und Mineralstoffe aus. Aufbereitetes Futter mit verletzter Wachsschicht nimmt Wasser schneller auf und verliert mehr.

Sauber arbeiten: Schnitthöhe, Zinken und Erde

Sauberes Futter hat etwa 90 g Rohasche je kg TS. Alles deutlich darüber ist meistens Erde. Ab etwa 100 g steigt die Gefahr einer Buttersäuregärung, besonders bei nassem Futter. Mit der Erde gelangen Clostridien-Sporen ins Silo. Diese Bakterien bilden Buttersäure. Das macht die Silage stinkend und gefährdet die Käsereitauglichkeit der Milch.

Zetten und Schwaden: Blätter schonen

Zetten lockert das Futter und dreht die feuchte Unterseite nach oben. Am wirksamsten ist ein Durchgang kurz nach dem Mähen. Je trockener das Futter wird, desto mehr bröckelt beim Zetten und Schwaden ab. Bei Klee sind das die eiweissreichen Blätter. Zetten und Schwaden ist daher am besten, solange das Futter noch unter etwa 40 % TS hat.

Gärqualität bewerten: Labor oder Prozess?

Der DLG-Schlüssel bewertet Silage im Nachhinein mit Laborwerten: Buttersäure, Essigsäure und pH-Wert ergeben bis 100 Punkte. In der Schweizer Beratung steht häufiger der Prozess im Vordergrund: Wurde alles richtig gemacht, damit die Silage gut werden musste? Vorbeugen ist besser als Korrigieren, und bei guten Bedingungen sind Siliermittel meist nicht nötig. Das Spiel zeigt beides: Am Schluss steht die Note, und die Erklär-Karten zeigen die Arbeitsschritte, die dazu geführt haben.

Begriffe kurz erklärt

TS (Trockensubstanz)
Was vom Futter übrig bleibt, wenn man das Wasser abzieht. 35 % TS heisst: 100 kg Futter enthalten 35 kg Trockenes und 65 kg Wasser.
Rohasche (Mineralstoffe und Erde)
Alles, was beim Verbrennen übrig bleibt. Sauberes Futter hat etwa 90 g pro kg TS. Viel mehr bedeutet: Erde im Futter.
NEL (Netto-Energie Laktation)
Mass für die Energie im Futter, die eine Milchkuh in Milch umsetzen kann (MJ NEL pro kg TS).
FK (Vergärbarkeitskoeffizient)
Rechenwert aus TS, Zucker und Pufferkapazität. Ab 45 lässt sich Futter sicher ohne Buttersäure silieren.
DLG (DLG-Schlüssel)
Deutsches Punkteschema, das die Gärqualität mit Laborwerten (Buttersäure, Essigsäure, pH) bewertet. 100 Punkte sind das Maximum.
Stomata (Spaltöffnungen)
Kleine Atemöffnungen der Blätter. Nach dem Schnitt schliessen sie sich innerhalb etwa einer Stunde.
Kutikula (Wachsschicht)
Wachsschicht auf Blättern und Stängeln. Sie hält das Wasser in der Pflanze, bremst also das Anwelken. Aufbereiter verletzen sie absichtlich.
Clostridien (Buttersäurebakterien)
Bakterien aus der Erde, die im Silo Buttersäure bilden. Sie machen Silage stinkend und vertragen sich schlecht mit Käsereimilch.
Pufferkapazität (Säure-Widerstand)
Wie stark sich das Futter gegen das Absinken des pH-Werts wehrt. Klee hat viel davon, deshalb braucht er mehr Zucker oder mehr TS.
Siliermittel (Zusatz zum Silieren)
Zusätze, die die Gärung in eine gute Richtung lenken. Bei guten Bedingungen sind sie nicht nötig: Vorbeugen ist besser als Korrigieren.
Atmung (Zuckerverbrauch auf dem Feld)
Die gemähten Pflanzen leben noch eine Weile weiter und verbrauchen dabei Zucker. Je kürzer die Feldliegezeit, desto weniger geht verloren.
Schwad (Futterstreifen)
Der Streifen, in den der Schwader das Futter zusammenlegt, damit der Ladewagen oder die Presse es aufnehmen kann.

Quellen

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